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Die Menschen, die hinter Das dicke Forum und Der dicke Mensch stehen, sind von Übergewicht betroffene Laien, die sich sehr intensiv mit allen Fragen rund um dieses Thema beschäftigt haben. Sie sind zu der Überzeugung gelangt, dass Übergewichtige in vielen Fällen falsch behandelt werden, von sich selbst, von ihren Familien, ihren sonstigen Mitmenschen, von Ärzten. Dicke Menschen werden auf diese Weise häufig zu einem Verhalten genötigt, das ihr Problem nicht löst, sondern verschärft.

Dagegen treten Das dicke Forum und Der dicke Mensch an. Unsere beiden Websites gehören zu den leider wenigen Stimmen, die sich für einen anderen, sachgerechteren Umgang mit Adipositas einsetzen. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Das ist den Machern dieser Seiten klar. Aber sie geben die Hoffnung nicht auf, zu einer grundlegenden Änderung im Umgang mit Übergewicht beitragen zu können.

Dralle Deern

Seit 2003 bin ich in der Dicken Selbstakzeptanz-Selbsthilfe tätig, nachdem ich selbst eine vielen sicher nicht unbekannte Diät-Karriere hinter mir habe.

FotoObwohl ich ein schlankes Kind und später ein normalgewichtiger Teenager war, wurde ich von meiner Umgebung ständig zum Abnehmen angehalten und entsprechend mangel- und unterernährt. Mit Anfang 20 verdoppelte sich mein Gewicht in kürzester Zeit nach Einnahme der Anti-Baby-Pille. Ich setzte meine Unterernährung fort, probierte sämtliche Diäten, die angeboten wurden, bis hin zu verschreibungspflichtigen Medikamenten. Zeitgleich begann ich mit Erbrechen, zunächst um mein Gewissen nach Mahlzeiten zu beruhigen, später wurde das Erbrechen zum Trost. 1996 wurde eine chronische Schilddrüsenentzündung, die mit Schilddrüsenunterfunktion einhergeht, diagnostiziert. Mit gesunder, regelmäßiger Ernährung und vernünftiger Bewegung sowie der täglichen Einnahme lebensnotwendiger Schilddrüsenhormone ist es mir nun möglich, mein Gewicht seit Jahren konstant zu halten.

Es ist mein Wunsch, so vielen (dicken sowie schlanken) Menschen wie möglich zu helfen, aus ihrem endlosen Kreislauf von Diäten, Gewichtsab- und -zunahme auszubrechen, ihren Körper kennen und sich selbst lieben zu lernen. Ich möchte helfen festzustellen, dass das Leben auch mit Übergewicht lebenswert ist und man nicht wertvolle Lebensjahre damit vergeuden sollte, irgendeinem von Modemachern diktierten Schönheitsideal nachzujagen. Und ich möchte dicken Menschen Mut machen, sich der 'Welt da draußen' zu stellen, sich mit ihr zu verbünden und sich freizumachen von engen Kammern, die tatsächlich nur im Kopf existieren.

Dralle Deern (norddt. für Dickes Mädchen)

Kubalibre

Bis zu meiner Einschulung war ich nicht übergewichtig, im Gegenteil. Ab da ging es allerdings stetig aufwärts. Der letzte größere Schub kam, als ich 1997 mit dem Rauchen aufhörte.

Diese Kilos halten sich leider bisher hartnäckig. Trotzdem habe ich eigentlich über das Dicksein nie groß nachgedacht bzw. mich deshalb verrückt gemacht. Auch von meiner Umgebung habe ich keine großartig negativen Reaktionen erfahren. Sicher habe auch ich einige Diätversuche hinter mir, diese allerdings nie mit großer Energie betrieben. Die üblichen Probleme im Alltag sind mir allerdings auch nicht fremd.

FotoDass es außer mir noch andere dicke Menschen auf der Welt gibt, war mir zwar klar, was diese aber zum Teil durchmachen, erfuhr ich erst, als ich zufällig im Mai 2003 ein Forum zu dieser Thematik fand und darin zu lesen begann. Als ich in diesem Forum gebeten wurde mitzuhelfen, habe ich dies gerne getan und setze dies im Dicken Forum fort.

Ich finde es gut, dass es im Internet Anlaufstationen gibt, in denen dicke Menschen nicht mit Diäten und Wundermitteln an der Nase herumgeführt werden, sondern wo sie lernen können, sich selbst zu akzeptieren, wie sie eben sind. Dabei will ich gerne im Dicken Forum mithelfen. Was aber nicht heißen soll, dass ich z.B. das Glorifizieren des Dickseins gut finde.

Kubalibre (eines der ganz wenigen alkoholischen Getränke,
die ich mag. Erst recht seit einem Urlaub in Kuba
)

Martina

Geboren 1959, wurde ich in der Pubertät dick, wobei „dick“ ein sehr relativer Begriff ist. Da meine Pubertät in die 70er fiel, in denen Twiggy das Schönheitsideal vorgab, war man in dieser Zeit sehr schnell dick, ohne es wirklich zu sein.

Ich war früh eine fertige Frau und würde mich aus heutiger Sicht allenfalls als „moppelig“ bezeichnen. Bei einer Größe von 172 cm wog ich 75 kg, als ich meine erste Diät begann.

Ich hatte das Glück, Eltern zu haben, die mich immer so genommen haben, wie ich war, egal, wie viel ich wog. Diäten habe ich immer aus eigenem Antrieb gemacht. Und viele Jahre lang habe ich mich vorschriftsmäßig für eine Versagerin gehalten, weil natürlich auch bei mir der Jojo immer wieder zuschlug. Zudem habe ich eine seit dem 13. Lebensjahr bekannte Schilddrüsenerkrankung, die lange nicht optimal behandelt wurde und rückblickend auch für einen erheblichen Teil meines heutigen sehr hohen Gewichts verantwortlich ist. Leider ist mir das viel zu spät klar geworden.

Im Jahre 1996 hörte ich über den Verein Dicke e.V. erstmals davon, dass man an das Thema Übergewicht auch ganz anders herangehen kann als mit Dauerdiäten. Seither engagiere ich mich für die Akzeptanz und die Selbstakzeptanz dicker Menschen und versuche, den Gedanken vom selbstbestimmten Leben des dicken Menschen so weit wie möglich bekannt zu machen.

Martina (mein Vorname, lat. die Kriegerische)

Na_Ich

Ich war nie ein dickes Kind. Meine Eltern haben sich immer normal ernährt. Süßigkeiten waren für mich nichts Besonderes. Ich war auch immer sportlich aktiv. 1994 wurde mir die Pille verschrieben, im Alter von 15 Jahren.

Innerhalb eines halben Jahres legte ich ganze 20 kg zu. Von 60 rauf auf 80. Es wurden im Laufe der Zeit immer mehr und mein Höchstgewicht lag irgendwann bei 106kg.

FotoIch habe alle möglichen Diäten durchgemacht. Am Ende stand ich kurz vor einer Essstörung, als ich täglich kaum mehr als 400 Kalorien zu mir nahm und trotzdem kein Gramm von meinen Rippen weichen wollte. Auf der Suche nach irgendwas, landete ich im Forum und mir wurde schnell klar, dass es auch anders geht. Dicksein ist nichts Schlimmes. Es ist nichts, was man verurteilen muss. Dank des Forums lernte ich, wieder richtig zu essen. Es war ein langer Weg, bis ich wieder 2000 Kalorien am Tag zu mir nehmen konnte, ohne darüber nachzudenken, welche Auswirkungen das vielleicht auf meinen Körper haben könnte. Ich lernte, dass gesunde Ernährung und Bewegung für den Körper wichtiger sind als das perfekte, schlanke Aussehen. Doch dann kam das erste gesundheitliche Tief, das mich 3 Jahre lang wichtige Energie und Kraft kostete. Als das überwunden war, ging es wieder bergauf. Die Kilos, die durch Krankenhausaufenthalte gepurzelt waren, kamen langsam wieder drauf. Aber mittlerweile stört mich das nicht mehr. Ich bewege mich, bald auch wieder mehr. Ich bin ein Bewegungsjunkie und werde mir auch nie was anderes einreden lassen. Meine Ernährung ist so, wie mein Körper sie verträgt. Ich verzichte auf Light-Produkte und meide auch Vollkornsachen, da diese bei mir starke Darmbeschwerden auslösen. Stattdessen fröne ich meiner Salatsucht. Ich verwende beim Kochen nur frische Zutaten und gönne mir auch das, was die Gesellschaft gern als süße Sünden verteufelt. Ich lebe endlich so, wie ich leben wollte. Und das ist mir wichtiger, als die Jagd nach einem falschen Schönheitsideal.

Seit Januar 2007 weiß ich um meine Hashimoto Thyreoiditis-Erkrankung und bin dabei, die Hormone wieder richtig einzustellen.

Das Dicke Forum ist für mich eine zweite Heimat. Ich mag es, dass hier kontrovers diskutiert wird. Es gefällt mir, dass Dinge hinterfragt und nicht als gegeben hingenommen werden. Ich bewundere alle Menschen, die die Kraft aufwenden, sich nicht dem Druck der Umwelt zu beugen, sondern ihr Ding durchziehen. Ich habe Respekt für alle, die die Ursache für ihr Gewicht suchen und kritisch betrachten. Ich habe gelernt, dass Dicksein nur ein Teil von Menschen, aber nicht der Mensch selbst ist.

Na_Ich (eben einfach nur Ich)

Pandora

Meine Diät- oder Dickengeschichte fing an, bevor ich laufen lernte. Als völlig normalgewichtiges Kind geboren, entwickelte ich einen recht guten Appetit. Ob das daran lag, dass ich bei jedem Schrei aus der Wiege die Flasche bekam und dafür weniger Zuwendung und nur in sehr geringem Maße Mutterliebe, weiß ich bis heute nicht. Aber es stimmt mich schon nachdenklich, wenn meine Großmutter, bei der ich die ersten 11 Jahre meines Lebens verbrachte, sagt: „Du warst so ein braves Baby, hast nur geschrieen, wenn du Hunger hattest“. Was den Umkehrschluss zulässt, dass ich immer die Flasche bekam, egal, was ich wirklich wollte ...

FotoDer erste Kinderarzt in meinem Leben hatte die Meinung, dass ich meinen Bedürfnissen gemäß ernährt werden sollte: „Das Mädel hört schon auf zu trinken, wenn es satt ist“. Nur ging dieser Arzt leider in den Ruhestand, bevor ich 8 Monate alt war. Meine Mutter brachte mich zu einer neuen Kinderärztin, die bei meinem Anblick die Hände über dem Kopf zusammenschlug: „Meine Güte, das Kind ist ja viel zu dick!“. Von diesem Zeitpunkt an wurde ich auf Diät gesetzt. Die nächsten 35 Jahre lang. Erst von meiner Mutter (und Großmutter, wobei diese es nicht so eng sah), dann von mir selbst. Schließlich hatte ich mich während meiner Kindheit und Jugend zu dem entwickelt, was man gemeinhin eine „gute Dicke“ nennt: Immer schuldbewußt, immer bemüht, nicht aufzufallen, „unsichtbar“ zu sein. Und immer hungrig – nach dem Leben, nach Liebe und Zuwendung ... und nach Essen.

Geboren bin ich 1966, ich falle also auch ins Twiggy-Zeitalter. Wenn ich mir heute meine Kinderfotos anschaue, sehe ich ein normalgewichtiges Kind, zwar kräftig gebaut, aber keinesfalls dick. Selbst die Fotos aus den beiden Abnehmkuren, zu denen ich von meiner zwar lieblosen, aber doch sehr fürsorglichen Mutter geschickt wurde, zeigen mir kein wirklich dickes Kind. Natürlich wurde ich aufgrund der Dauerdiät immer mehr, aber vom Wissen um den Jojo-Effekt war man damals noch sehr weit entfernt. Immerhin halten auch heute noch viele Menschen diesen Überlebensmechanismus des Körpers für ein Gerücht, oder, noch besser, für eine Ausrede, mit der sich die Diätversager herausreden. Yell

Die magische 100-kg-Marke habe ich aber erst überschritten, als ich im Alter von 24 von Zuhause aus- und mit meinem damaligen Freund zusammenzog. Endlich wurde mir nicht mehr jede Wurstscheibe aufs Brot gezählt und ich fing an, deutlich mehr zu essen. Wann genau ich mir meine Essstörung eingefangen habe, kann ich nicht sagen, aber ganz sicher schon während der ganzen Diäten. Die letzte große Diät meines Lebens machte ich, als besagter Freund mich verließ. In meinem Kummer schob ich alles, was mir jemals Schlechtes passiert war, darauf, dass ich so dick war (zu dem Zeitpunkt waren es über 140 kg) und fing eine Radikaldiät an. Innerhalb von knapp 10 Monaten hatte ich mein Gewicht halbiert und war endlich schlank.

Jetzt wird alles gut, dachte ich mir. Ich war begehrt – endlich konnte ich mir die Männer aussuchen, von denen ich mir die Zuneigung erhofft hatte, die mir in meiner Kindheit verwehrt worden war. Nur hatte ich einen Rechenfehler gemacht. Ich war Objekt der Begierde, nicht der Liebe. Ein großer Unterschied!
Und das gefiel mir überhaupt nicht, allerdings verstand ich mich jetzt selbst nicht mehr – hey, du bist schlank und musst doch eigentlich glücklich sein! Doch ich wars nicht. Ich wurde immer unsicherer und fing an zu trinken. Der Alkohol half mir, meine Hemmungen über Bord zu werfen. Aber er zerstörte auch noch mein letztes bisschen Selbstbewußtsein. Ich schämte mich für diese Sucht noch viel mehr als vorher für meinen dicken Körper. Nach drei Jahren Alkoholsucht lernte ich meinen heutigen Mann kennen. Es dauerte über ein Jahr, bis ich ihm von meinem Problem erzählte, und noch mal ein Jahr, bis ich dieses Problem aktiv angehen konnte und trocken wurde. Dabei sehr geholfen hat mir eine Therapeutin in der örtlichen Suchtberatungsstelle.

Zwischenzeitlich hatte sich mein altes Gewicht wieder eingefunden – plus 20 kg mit einem schönen Gruß von Tante Jojo. Meine Therapeutin bekam natürlich auch mit, dass ich rasend schnell zunahm und sie sprach mich darauf an, ob ich vielleicht an einer Essstörung leide. Dieses Wort hatte ich bisher nur in Zusammenhang mit Magersucht und Bulimie gehört – aber in mir klingelte etwas. Gleich am nächsten Tag machte ich mich auf die Suche nach allem, was ich darüber im Netz finden konnte. Und ich fand unser (damals blaues) Forum, in dem ich anfing zu lesen – ach was, ich saugte förmlich alles auf, was auch nur im Entferntesten mit Selbstakzeptanz zu tun hatte. Und ich wußte – von einer Sekunde auf die andere – das ist mein Weg.

Auf diesem Weg bin ich auch jetzt noch. Kurz nachdem ich ins Forum gefunden hatte, begann ich eine stationäre Therapie gegen meine Esssucht, die mich wieder beweglich gemacht hat. Die Therapie, nicht die ES.Wink Nach dieser Therapie erfüllte ich mir einen ganz großen Herzenswunsch: Einen Hund. Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Unser Vierbeiner hat das Leben unserer kleinen Familie ungeheuer bereichert und tut es noch, jeden Tag. Wir sind alle froh, dass wir ihn haben.

Tja, und heute? Meine Essstörung ist noch da, ebenso wie mein dicker Körper. Ich bin jetzt 40 und die ersten Zipperlein werden nicht mehr lange auf sich warten lassen. ABER: Es geht mir gut; sehr viel besser als zu der Zeit, als ich schlank war. Meine Erfahrungen möchte ich nicht missen (naja, bis auf 2-3 ganz grauslige ;-)). Mit meiner Mutter konnte ich Einiges, wenn auch nicht alles, klären. Ich habe einen Freund, der mich lieb hat, einen Hund, der mich vergöttert, eine Freundin, mit der ich alles teilen kann und die beste Oma der Welt.

Mein Leben ist schön.Smile

Pandora (eine hübsche Erklärung zu meinem Nicknamen hat Wikipedia)

Rita 

Ich wurde 1965 geboren, als eindeutig untergewichtige Frühgeburt. Meine Mama marschierte wöchentlich zur Mutterberatungstelle und kassierte ein Lob, weil das Zwutschgerl wieder schön zugenommen hatte. Wann sich dieses Lob in Tadel verwandelte, weiß ich nicht genau, aber ich erinnere mich, dass Gewicht und Essen und der Kampf gegen beides spätestens im Kindergartenalter zum Thema wurden.

FotoIn der 1. Klasse bekam ich dann „amtlich“ den Stempel „zu dick“, die Schulärztin schickte uns in die Adipositasambulanz der Wiener Kinderklinik. Ich wog erschreckende 7 kg mehr, als die Tabellen für ein Kind meines Alters vorsahen und ich hatte eine dicke Mutter. Höchste Zeit, den Anfängen zu wehren! Dass ich auch einen Kopf größer war als die Kinder in meiner Schulklasse, interessierte nicht. Die Tabellen enthielten nur Alter und Gewicht.

Wir wurden mit “Wissen“ über Ernährung versorgt. Und wir lernten! Ich übte Prozentrechnung an der Broca-Formel. Ich konnte sehr bald die Kalorienwerte von A wie Apfel bis Z wie zuckerfreie Limonade auswendig. Wir kochten fett- und kalorienarm und mit neun erfand ich das fettfreie Gulasch!

Höhepunkt des segensreichen Wirkens der Spezialisten für kindliche Adipositas war eine Teilnahme an sog. Diätferien. Von dort brachte ich 3 kg Abnahme und eine Herzmuskelentzündung nach Hause.

Merke: Kalorienreduktion, Zwang zum Sport und schreckliches Heimweh gepaart mit einem Wachstumsschub von 10 cm innerhalb von 3 Wochen tragen nicht zur Gesundheit eines Kindes bei.

Aber! Nach meiner Genesung hatte ich das erste Mal Idealgewicht! Ich entsprach den Tabellen, war ein Erfolg für die Ärzte und meine Mama kassierte endlich wieder einmal ein Lob.

Zu Weihnachten hatte ich kein Idealgewicht mehr. Wir suchten die Ambulanz nicht mehr auf. Wie man sich durch Diät und Jojo auf immer höhere Gewichtslevel bringt, wussten wir ja inzwischen selber.

Um das Ganze nicht ungebührlich in die Länge zu ziehen: Es folgte die bekannte Karriere von der Eierkur, über die 1000 kcal-Diät einer bekannten Frauenzeitschrift bis zur stationären Nulldiät. Mit dem ebenfalls bekannten Ergebnis. Als junge Frau war ich wirklich dick.

Mit Erreichen der Volljährigkeit hatte ich die Nase voll. Ich beschloss, nie mehr eine Diät zu machen. Ich aß nach meinem Appetit und mein Gewicht pendelte sich auf hohem Niveau ein.

Ich verbannte das Thema komplett aus meinem Leben. Meine Freundinnen waren schlank, ohne auch nur eine einzige Kalorienzahl zu kennen. Wir nahmen einander wie wir waren, dick, hager, rosa-gelb gestreift, Aussehen war kein Thema für uns.

Das in den Medien „Tiere und Diäten immer gehen“ verfolgte ich mit sehr viel Distanz und gelinder Belustigung.

Ich glaubte, was Mama und andere mir erklärt hatten, und richtete mich auf ein zölibatäres Leben im Geiste der Wissenschaften ein. Es gab aber Männer, die mich eines Besseren belehrten.

Als ich Mitte 20 war, wurde als zufälliger Nebenbefund eine Unterfunktion der Schilddrüse festgestellt. Wieder einmal flackerte ein „aber jetzt“ auf, aber es blieb bei sehr dick, nur andere quälende Erscheinungen, wie ständige Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Muskelschwäche gaben sich und ich erlebte zum ersten Mal im Leben, dass ich eine aktive und bewegliche Dicke sein konnte und wollte.

Lange, lange, lange Zeit später gab es sowas wie das Internet. Und über irgendeinen Link von irgendwo traf ich auf ein großes Diätforum. Und ich war entsetzt, wie sehr das Thema Dicksein diese hunderte Frauen dominierte. Darüber, welche absurden Dinge Menschen taten, wenn man ihnen nur eine Gewichtsabnahme versprach. Und wenn man schon nicht aktiv gegen seinen „inneren Schweinehund“ kämpfte, hatte man zumindest gefälligst zerknirscht und unglücklich zu sein und jeden Abend zu beten, dass einem am nächsten Tag der „Klick“ heimsuchte, der einem die WW-Points wie auskömmliche Nahrung erscheinen ließe.

Irgendwann traf ich in einem ruhigen ziemlich verlassenen Forum auf Martina, Sally und ein paar andere und fühlte mich nicht mehr wie ein Alien. Und was daraus geworden ist, und wie sehr ich heute im Thema Dicksein drinnen stecke, erstaunt mich immer wieder.

Rita

Sally

Geprägt vom Schönheitsideal meiner Mutter (aus den 30er Jahren) und der Twiggy-Ära (in den 60er Jahren) werde ich bereits im Grundschulalter auf Diät gesetzt – obwohl kein dickes, allenfalls ein molliges Kind.

Noch heute sehe ich meinen ersten Diätplan vor mir – und die 6-8 Saccharintabletten, die allmorgendlich auf einer halben Grapefruit vor sich hinbrizzeln: Mein Frühstück.

Dreißig Jahre lang geht das so weiter. Zehn Kilo runter, fünfzehn Kilo rauf, zwanzig Kilo runter, fünfundzwanzig Kilo rauf. Ich quäle meinen Körper mit allem, was der Markt hergibt. Ich esse nur gekochte Eier oder nur Reis oder nur Ananas oder nur Fleisch und Sahne. Manchmal gibt’s auch zwei Wochen lang nur schwarzen Kaffee und Zigaretten. Oder nur noch Wasser. Dazu Sport, Sport, Sport. In allen Variationen. Irgendwie muss es sich doch zwingen lassen.

Aber es lässt sich nicht zwingen.

Mit Mitte zwanzig lese ich zum ersten Mal das Anti-Diät-Buch von Susie Orbach. Und mir beginnt zu dämmern, dass ich noch mehr sein muss als bloß eine ewige Versagerin. Aber es soll noch lange dauern, bis ich wirklich verstehe. 

Als ich 40 bin und mittlerweile Mutter einer kleinen Tochter, ist mir klar: Der Jo-Jo-Effekt hat nach gut dreißig Jahren Diäten gewonnen. Dazu habe ich mir eine ordentliche Essstörung eingehandelt, und meine Schilddrüse macht auch nicht was sie soll. So kann es nicht weitergehen, zumal unterm Strich auch noch steht: Diagnose Depression.

Wenn ich aber nicht mehr gegen meinen Körper kämpfen will – wo geht es dann hin?

2000 treffe ich im Internet zum ersten Mal auf andere Dicke – auf andere Erfahrungen und auf eine andere Weltsicht. Ich möchte dabei sein. Und möchte es bis heute – mit allen Aufs und Abs, die der Kampf gegen nahezu übermächtige gesellschaftliche Windmühlen so mit sich bringt. Auch wenn es hin und wieder knirscht, weil hier so unglaublich viele Menschen in unglaublicher Vielfalt aufeinandertreffen – dies ist ein guter Ort. Ein Ort der Solidarität, ein Ort zum (Weiter-) Lernen, zum Diskutieren, zum Streiten, zum Gesundwerden, zum Kämpfen. Ein Ort der Ermutigung und der (Selbst-) Akzeptanz. Weil es – so sag ich’s meinem Kind – dicke Menschen gibt und dünne, große und kleine, schwarze und weiße, welche mit blonden Haaren und welche mit schwarzen und welche ohne Haare. Weil die Welt bunt ist. So wie das Dicke Forum.

Sally (mit „natural curly hair“, so wie Sally von den Peanuts,
Schwester von Charlie Brown. Sie wird am 25. Mai 1959 zum
ersten Mal in den Cartoons von Charles M. Schulz erwähnt.
Um diesen Tag herum wurde ich gezeugt ;-))

*uwe*

Schon als Teenager war ich nicht schlank und sportlich, aber das Gewicht hielt sich noch einigermaßen im Rahmen.

FotoMeine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker war körperlich recht anstrengend, so dass ich während dieser Zeit nur langsam zunahm. Aber schon in dieser Zeit begannen die Sticheleien der Kollegen. Dann kam die Zeit der Freiheit. Ich bin daheim ausgezogen und war die nächsten Jahre mir selbst überlassen. Von gesunder Ernährung und Sport habe ich damals noch nichts gehalten. Hauptsache, das Kochen ging schnell, war einfach und bestand vor allem aus Fleisch. Das Gewicht stieg langsam, aber stetig nach oben.

Auch mein Wechsel aus der Werkstatt an den Schreibtisch machte sich beim Gewicht bemerkbar. Dann kam es nach fünf Jahren Beziehung und Ehe zu einer Trennung, die mir schwer zu schaffen machte. Das Gewicht stieg nun immer schneller nach oben.

Es hat fast vierzig Jahre gedauert, bis ich schätzen gelernt habe, was gutes, gesundes Essen bedeutet und wie wohltuend ein wenig ausgleichende Bewegung ist.

Bei Der dicke Mensch und Das dicke Forum bin ich für die Technik im Hintergrund und die dummen Witze zuständig.

*uwe* (friesisch: "Der Tätige", "Der voll des Tatendrangs",
"Der Verwegene"
, die kannten mich noch nicht ...)

 

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Hier schreiben engagierte Laien. Soweit gesundheitliche Fragen erörtert werden, ersetzen die Beiträge und Schilderungen persönlicher und subjektiver Erfahrungen der Autoren keineswegs eine eingehende ärztliche Untersuchung und die fachliche Beratung durch einen Arzt, Therapeuten oder Apotheker! Bitte wendet Euch bei gesundheitlichen Beschwerden in jedem Fall an den Arzt Eures Vertrauens.
© 2005 – 2010 Lydia Kollien